100. Konzertsaison

Startseite | Impressum | Haftungsausschluß | Kontakt
Sie sind hier: Startseite » Aktuelles » Meet the Artist

Meet the Artist – Schüler treffen Künstler

Das Schülerprojekt
des Konzertverein Ingolstadt


von Barbara Thalmann

Die Jugendarbeit war dem Konzertverein Ingolstadt schon immer ein ganz besonders wichtiges Anliegen: So haben Schüler und Studenten die Möglichkeit, zum Preis von nur 4.- Euro Konzerte von höchstem Niveau zu erleben; ein Schülerabonnement (für 17 Konzerte!) kostet 42.- Euro. Darüber hinaus gibt es noch weitere Vergünstigungen für Schülergruppen, die mit betreuenden Lehrkräften in die Konzerte kommen.

Dennoch steht man auch in Ingolstadt vor dem derzeit weit verbreiteten Problem, dass immer weniger junge Menschen klassische Konzerte besuchen. Deshalb hat der Konzertverein Ingolstadt vor acht Jahren das Schülerprojekt „Meet the Artist – Schüler treffen Künstler“ ins Leben gerufen. Ziel dieses Projektes ist, Kinder und Jugendliche an die klassische Musik heranzuführen und dabei ihr Interesse und die Freude an der Musik zu wecken. Dazu besuchen Künstler, die sich auf Einladung des Konzertvereins in Ingolstadt aufhalten, die Schüler in ihren Schulklassen, spielen ihnen Stücke vor, erzählen aus ihrem Leben und ihrem Konzertalltag und beantworten Fragen der Schüler. Diese haben dabei die Möglichkeit, die Musiker aus nächster Nähe zu erleben und den „Menschen im Künstler“, das heißt die Person hinter dem Klaviervirtuosen, dem Stargeiger, etc. kennen zu lernen. Die Musiker auf der anderen Seite können in diesem kleinen und zwanglosen Rahmen ganz direkt auf die Schüler eingehen und ihnen so die Leidenschaft für ihr Instrument und die Musik weitergeben. Das Projekt wird von den Schülern mit großer Begeisterung aufgenommen und viele von ihnen kommen am Abend ins Konzert, um „ihre“ Stars noch einmal zu erleben.

Die Künstler sehen in diesen Schulbesuchen eine ganz wichtige und wertvolle Aufgabe. Das Interesse von Kindern und Jugendlichen zu wecken, sie zu motivieren und zu begeistern, stellt eine große, aber auch schöne Herausforderung dar. Fast alle würden sich gerne an dem Projekt beteiligen, sind aber oft aufgrund ihres engen Terminplans – viele kommen erst am Konzerttag an, proben am Nachmittag und reisen am nächsten Tag in aller Früh wieder ab – daran gehindert. Wer es sich jedoch einteilen kann, plant einen zusätzlichen Tag in Ingolstadt ein und besucht eine Schulklasse.



Acht Jahre „Meet the Artist“
 
In den acht Jahren seines Bestehens gelang es „Meet the Artist“, die unterschiedlichsten Künstler an die verschiedensten Ingolstädter Schulen zu bringen und damit tatsächlich Schüler aller Altersstufen (von der 1. Klasse Grundschule bis zur damals noch bestehenden 13. Gymnasialklasse) zu erreichen. Dabei konnten Ensembles und Kammermusikformationen, wie das Barockensemble Europa Galante, die Barocksolisten München, das Vokalensemble amarcord, die Liedertafel mit Michael Volle, Franz Josef Selig und Gerold Huber, das Mandelring Quartett mit dem Ingolstädter Roland Glassl, das Klavierduo Michelle und Christina Naughton u.v.m ebenso für das Projekt gewonnen werden wie Solisten, wie z.B. Dorothée Oberlinger, Florian Uhlig, Annette Seiltgen oder Vardan Mamikonian. Jeder Schulbesuch ist anders, manchmal finden sich sieben oder mehr Musiker vor den Schülern ein und spielen sich gegenseitig humorvoll die Bälle zu, manchmal steht eine Einzelperson vor der Klasse, die ganz auf sich allein - und ihr Instrument - gestellt die Schulstunde bestreitet. Manchmal wird mehr musiziert und manchmal gibt es mehr zu fragen und zu erzählen. Manchmal dürfen die Schüler die Instrumente angreifen und sogar ausprobieren - bei Dorothee Oberlinger und Europa Galante -, manchmal nur bewundern und bestaunen – bei Pavel Berman, dessen Stradivari mit dem schönen Namen „Maréchal Bertier“ schon Napoleon in der Hand gehalten hatte. Der Pianist Florian Uhlig veranstaltete ein Beethovenquiz, bei dem er seine neueste CD verloste, und berichtete über das von ihm gegründete Musikfestival mit Jugendprojekten in den Townships in Südafrika. Und Annette Seiltgen verband bei ihrem Schulbesuch (in ihrer ehemaligen Schule!) Musik und Zeitgeschichte und diskutierte mit Neuntklässlern über Nationalsozialismus und Exil.

„Meet the Artist“ bemüht sich, immer wieder Neuland zu beschreiten: Im Juli 2016 machte ein ganzer Chor - der berühmte belgische Knabenchor„Les Pastoureaux“ aus Waterloo - auf seiner Konzertreise nach Salzburg in Ingolstadt Station und besuchte die Chorklassen der fünften und sechsten Jahrgangsstufe des Reuchlin-Gymnasiums, für die er in der Pausenhalle ein kleines Konzert gab. Ein Teil der über 60 jungen Sänger war dabei in Familien der Schüler untergebracht. Diese schlossen rasch Freundschaft mit den Gästen und waren fasziniert von dem Können und der Disziplin ihrer Altersgenossen, die bis zu vier Mal die Woche proben und darüber hinaus viel Zeit auf Probenwochenenden und Konzertreisen verbringen.

Aber nicht nur Schulen, auch andere Bereiche, wo man in kleinem Rahmen gezielt auf Kinder eingehen kann sowie die Vernetzung mit anderen Kunstformen sollen gefördert werden. Nach einem sehr gelungenen Gemeinschaftsprojekt mit dem Museum für Konkrete Kunst unter dem Motto „Farbenspiel – Tastenspiel“, bei dem sich Vardan Mamikonian am Klavier von Bildern der Familienausstellung „Eckig, rund und bunt“ inspirieren ließ und Miriam Fuggenthaler für die Kinder moderierte, sollen ähnliche Projekte folgen.