„ Aus vollem Herzen, mit viel Überzeugung und einstimmig: Wegen ihrer wunderbaren Natürlichkeit in der Phrasierung, wegen ihres herrlichen Tones, wegen ihrer Intonationssicherheit.“ So fiel das Votum der Fachjury aus. Zwei Solocellisten des Bayer. Staatsorchesters, ein Celloprofessor an der Musikhochschule Luzern. 3 Cellisten, die berufsbedingt eher nicht dazu tendieren, bei jeder jungen Kollegin gleich in Euphorie auszubrechen. Raphaela Gromes hat zum ersten Mal in ihrem Leben an einem Wettbewerb teilgenommen. Weil sie bereits so viele Konzerte spielen durfte, dass sie gar keine Zeit hatte, sich auf einen Wettbewerb vorzubereiten, wie sie sagt. Weil sie lieber ein Publikum begeistert, als nur eine Jury. Kein „Jugend musiziert“ vorher also. Die 20jährige kam, spielte und siegte. Virtuos und technisch brillant mit der Cellosonate von Ligeti und wunderschön den schwelgerischen Kantilenen von Richard Strauss nachspürend. Oder wie Jesko Schulze-Reimpell im DK schrieb: „ Eine Sonate von György Ligeti und Richard Strauss - beides sehr gesangliche Werke, bei denen Gromes ihren betörend schönen Ton und ihren Sinn für romantischen Überschwang einsetzen konnte. Bei Ligeti gelang es Gromes grandios starke Kontraste zu setzen zwischen glühend vibrierenden kantablen Passagen, schrägen Pizzicato-Glissandi und ruppigen Läufen. Ganz anders der Strauss,… Hier gefiel die Natürlichkeit des Ausdrucks, der Mut, bis an die Grenzen der Möglichkeiten ihres Instrumentes glutvolle Leidenschaft darzustellen. Eine zweifellos faszinierende und vor allem sehr musikalische und mitreißende Interpretation.“ Herzlichen Glückwunsch! Erlauben Sie mir einen kleinen Schlenker. Er soll letztlich auch dazu dienen, Raphaela Gromes Respekt zu zollen. Respekt auch der Persönlichkeit, die da mit Sicherheit auch durch die intensive Beschäftigung mit Musik herangereift ist. Staatliche Initiativen wie JeKi – jedem Kind ein Instrument – sind etwas Wunderbares. Soweit sie denn finanzierbar sind. Jedenfalls muss kulturelle Bildung in der Schule mehr denn je die oft erschreckende Kulturferne der heutigen Elterngeneration kompensieren. Kulturferne Schichten sind heute nicht mehr identisch mit sozial Schwachen oder solchen mit formal niedrigerer Schulbildung. Kulturferne ist ein Symptom, das man ebenso in den Führungsschichten von Politik und Wirtschaft und im ehemaligen Bildungsbürgertum findet. Dass ich dem Bildungsbürgertum mal nachtrauere, über das wir Spät-68er immer die Nase gerümpft haben, hätte ich auch nicht gedacht! Ein kleines Erlebnis letzten Sommer beim „Lernfest“ im Klenzepark. Ein Musiklehrer ließ Kinder mal eine Geige in die Hand nehmen. Die Mutter, eine gut angezogene Frau, fragt. Was ist das für ein Instrument? Eine Geige. Und das? Eine Bratsche. Ist die höher? Ich mokiere mich dabei nicht über eine Bildungslücke. Die hat jeder und überall. Es geht mir nicht um einen traditionellen Bildungs-Wissens-Kanon. Es geht bei kultureller Bildung, bei Musik, Literatur, Theater oder Kunst um die Chance der Persönlichkeitsentwicklung für junge Menschen. Darum, den kreativen Freiraum der Fantasie nicht absterben zu lassen. Denn emotionale Verarmung schafft soziale und gesellschaftliche Probleme. Musik zu spielen setzt Einfühlungsvermögen voraus und schult es. Bei Musik ist es die Fähigkeit, die emotionale und geistige Aussage hinter den Noten zu entdecken, zu erspüren und selbst wieder ausdrücken zu können. Nur mit richtigen und schönen Tönen ist kein Publikum zu begeistern. Raphaela Gromes weiß das. Was sind unsere Lebensziele oder gar Lebens-Bedingungen: ein großes Auto, ein auf Schulden gekauftes Haus, reiche Freunde oder eine herausgehobene Stellung? Ja, Familie steht nominell auch noch hoch im Kurs. „Musikalische Erfüllung ist das schönste, was man haben kann“, sagt diese 20jährige, Raphaela Gromes. Und sie sagt es ebenso fröhlich wie selbstbewusst. Es plappert so selbstverständlich aus ihr heraus wie Gleichaltrige von Party machen oder geilen Klamotten reden.
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Raphaela Gromes ist ein Beispiel dafür, wie die Liebe zur Musik im Elternhaus gelegt wird. Und bei ihr kann man sagen, bereits im Mutterleib. Denn ihre Eltern, das Nymphenburger Cello-Duo, übte in dieser Zeit just jene Cello-Sonate von Richard Strauss, mit der Raphaela Gromes nun ihren ersten Wettbewerb gewonnen hat. Mit vier Jahren, zu Weihnachten, bekam sie ihr erstes Cello. Es muss ein Sechzehntel-Cello gewesen sein. Denn ein normales können so kleine Hände noch nicht greifen. Wie aber kann eine 4jährige überhaupt schon so ein Instrument be-greifen? Da hämmern andere Kinder bestenfalls gerade mal „Hänschen klein“ auf einem Xylophon. Es waren aber nicht die Eltern, die die kleine Raphaela zum Cello spielen gedrängt haben. „Erzwingen kann man das nicht“, sagt der Vater. Sie selbst sagt, sie wäre ganz einfach rasend eifersüchtig gewesen auf die kleinen Cello-Schüler ihrer Mutter. Mit 5 begann Raphaela Gromes außerdem bereits regelmäßig in die Bayerische Staatsoper zu gehen. Nicht nur in „Hänsel und Gretel“. In Wagner und Richard Strauss. Also auch nicht gerade eine Unterforderung im Kindergarten- oder Grundschulalter. Und sie entdeckt die wunderbaren Cellostellen in den Verdi-Opern, im „Don Carlos“. Auch das motiviert sie an ihrem Instrument. Die Affinität zum musikalischen Gefühlsausdruck der Romantik ist geblieben. Und in die Schnecke ihres Instruments hat sie den Guiseppe Verdi einschnitzen lassen. Aber ihr Repertoire reicht heute von Vivaldi, natürlich den Bach-Solosuiten, bis zu Isang Yun und Schostakowitsch oder Guldas Konzert für Cello und Blasorchester. Noch im Januar wird sie ein Cellokonzert von Dominik Giesriegl uraufführen. Am Montag ist ihr nächstes Konzert mit dem Duo Servais, mit der um ein Jahr jüngeren Geigerin Amelie Böckheler, die bei Ingolf Turban studiert. Bereits als 12jährige trat sie mit dem Dvorak-Rondo auf, weitere Konzerte, Kammermusik aber auch bereits Orchesterkonzerte bestritt sie noch als Schülerin. Ein halbes Jahr vor dem Abitur gastierte sie mit der Celli-Family in Südafrika. Das Abi hat sie dennoch mit 1,0 bestanden. Ein Zeichen, dass sie nicht nur Cello geübt hat und als Jungstudentin 4 Jahre lang nach Leipzig gefahren ist. Sondern dass sie auch in anderen Bereichen eine große Auffassungsgabe besitzt und wohl auch sonst vielseitig begabt ist. 2 Tage vor und 4 Tage nach dem Wettbewerbskonzert in Ingolstadt spielte sie mit den Jungen Münchner Symphonikern das Cellokonzert von Camille Saint-Saens in Markt Schwaben - und im Herkulessaal der Münchner Residenz. Und dazwischen spielt sie auch mal mit der Formation Cellica mit 3 elektronisch verstärkten Celli, E-Bass und Schlagzeug Metallica-Hardrock bei der Starnberger Jazz- und Rocknacht. Dabei ist sie erst im 3. Semester. Sie studiert bei Wen-Sinn Yang an der Münchner Musikhochschule. Und was stellt die 20jährige auf ihrer eigenen Internet-Seite als Maxime voran: Den abgewandelten Faust-Monolog. „Drum hab ich mich der Musik ergeben. Ob mir durch Geistes Kraft und Mund nicht manch Geheimnis würde kund, dass ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält.“ So stellt sich diese Preisträgerin ihr Lebensziel: zu erkennen, was die Welt im Innersten zusammenhält. So wie es die großen Komponisten erkannt und ausgedrückt haben. Mit der Sprache der Musik. Und natürlich träumt sie davon, einmal ein Teil des Klanges zu sein, der sie bereits als Kind verzaubert und begeistert hat. Bei einer Oper von Wagner, Verdi oder Strauss im Orchestergraben der Bayerischen Staatsoper zu sitzen. Ich gratuliere Raphaela Gromes ganz herzlich zum Musikförderungspreis des Konzertvereins Ingolstadt 2011!
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